Historie

Kaum ein Hannoveraner erinnert sich noch an die Schwanenburg, die heute im Namen „Schwanenburgkreisel“ weiterlebt. Der Stadtteilhistoriker Horst Bohne erklärt auf Führungen, welchen Wandel das Gelände zwischen Westschnellweg und Wunstorfer Straße im Laufe der Jahrhunderte durchgemacht hat. Von ihm stammen die Informationen über das frühere Ausflugslokal Schwanenburg.

Jahrhunderte lang dient das Gelände den Gemeinden Limmer und Linden als Weideplatz.

Im 19. Jahrhundert beginnt die kommerzielle Nutzung des Geländes, das damals noch an der Leine liegt. Der Zugang zum Wasser bewegt den Schiffbaumeister Johann Wilhelm Friedrich Hartje 1830 dazu, hier eine Werft aufzubauen. Die Schiffe bringen Ziegel und Bauholz nach Bremen, im Gegenzug kommen Kolonialwaren nach Hannover. Ein Nachfolger Hartjes, der Kaufmann Johann Friedrich Andreas Geffers, gestaltet das Gelände grundlegend um. Er lässt Teiche ausheben und einen Lustgarten anlegen.

Das Auflugslokal Schwanenburg entsteht

1890 pachtet der Wirt August Stein das Gebäude samt Gartenanlage und macht daraus das Ausflugslokal „Schwanenburg“. 1898 entsteht neben der Gastronomie ein Konzertgebäude mit zwei Tanzsälen, auf dessen Dachfirst Schwanenfiguren angebracht werden. Inzwischen hat der Unternehmer Max Rüdenberg das gesamte Gelände gekauft und lässt nebenan eine Bettfedernfabrik und ein Wohnhaus für sich errichten. Genauso wie die benachbarte Färberei der Firma Stichweh brauchte auch die Bettfedernfabrik das Wasser aus Leine und Fösse.

 

Der Kaffeegarten im schön gelegenen Park, zusammen mit den Konzertsälen und dem Musikpavillon, machen die Schwanenburg zu einem beliebten Ausflugsziel für Hannoveraner, Lindener und Limmeraner. Doch die Glanzzeit der Schwanenburg dauert nicht lange. Während des ersten Weltkrieges dient das Konzertgebäude als Lazarett und auch in den Krisenjahren danach kann das Lokal nicht mehr an seine früheren Erfolge anknüpfen.

Enteignung zur Zeit des Nationalsozialismus

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten gerät der Unternehmer Max Rüdenberg in Bedrängnis. Als Mitbegründer der Kestnergesellschaft, Ratsherr der Stadt Hannover und Ostasienkunstexperte hat er sich zwar einen hervorragenden Ruf erarbeitet, doch er ist Jude. Er wird enteignet und muss mit seiner Frau in eines der Gebäude auf dem Gelände umziehen, das zum Judenhaus umgewandelt wird. Seine Kinder und Enkel schaffen es vorher, ins Ausland zu fliehen. Rüdenberg und seine Frau Margarethe werden 1942 nach Theresienstadt deportiert, wo sie schließlich umkommen.

Endgültiges Ende der Schwanenburg und „neue Schwanenburg“

Die Schwanenburg übersteht den zweiten Weltkrieg unbeschadet und bald darauf finden Theater- und Lichtspielaufführungen darin statt. Nach der Währungsreform setzt jedoch ein Besucherschwund ein, Theater und Gastronomie kämpfen ums Überleben.
1960 wird die Schwanenburg für den Bau des Westschnellwegs abgerissen. Auf dem heutigen Gelände stehen Schulungsgebäude der Universität Hannover, die inzwischen nicht mehr genutzt werden. Vom Fabrikgelände der ehemaligen Bettfedernfabrik der Rüdenbergs steht noch ein Gebäude. Dieses wird nach dem Umbau im Frühjahr 2013 als neue Schwanenburg eröffnet werden und wie sein Vorgänger Gastronomie und Veranstaltungsräume bieten. Die Nachkommen Rüdenbergs hatten den Wunsch geäußert, den Namen „Schwanenburg“ wieder aufleben zu lassen. Bereits seit September 2011 gibt es einen Weg „Zur Schwanenburg“, der durch den Leinepark zur Fösse führt.

 

Text: Mirjana Ilic